Quelle: http://msuweb.montclair.edu/~furrg/research/zinovievinterrog072836.html
Das russische Original wurde von Prof. Grover Furr ins Englische �bertragen.
Das englische Dokument wurde von Gerhard Schnehen ins Deutsche �bersetzt.
Frage: Bei Ihrer Gegen�berstellung mit Karjew gaben Sie ihre Beteiligung am Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrum zu. Machen Sie Angaben zur Frage
der Beziehungen des Blocks der Sinowjew-Anh�nger mit den Trotzkisten im Jahre 1932.
Antwort: Trotz meiner formalen Erkl�rung eines Bruchs mit Trotzki zu der Zeit gab es tats�chlich bis zum Tage unserer Verhaftung keinen solchen Bruch mit dem Trotzkismus.
Weder ich noch Kamenjew noch Bakajew noch andere, die so dachten wie wir, haben je trotzkistische Ideen abgelehnt. Ich w�rde sogar sagen, dass wir bis heute an den Trotzkismus gekettet sind wie ein Str�fling an seine Ketten. Hinzukommt, dass wir nach Trotzkis Exilierung eine Art Arbeitsteilung mit ihm eingingen. Sie bestand darin, dass sich Trotzki im Ausland wie ein unverbesserlicher Wei�gardist ganz offen gegen die Sowjetregierung, aber vor allem gegen Stalin �u�erte, w�hrend ich zusammen mit meinen Gef�hrten dieser verachtenswerten subversiven T�tigkeit gegen die Sowjetregierung und Stalin im Inneren der Sowjetunion, im Untergrund, nachging. Trotzki begriff dann sehr schnell, dass er uns vergeblich verflucht hatte, weil er glaubte, dass wir ihn, seitdem wir mit ihm arbeiteten bis zu unserer Verhaftung, verraten h�tten.
Frage Sie haben nicht auf die gestellte Frage geAntwortet. Das, was uns am meisten interessiert, ist, mit welchen Leuten unter den Trotzkisten Sie direkt organisatorisch verbunden waren.
Antwort: Die konterrevolution�re Organisation, die ich anf�hrte, stand seit 1932 bis zu meiner Verhaftung im Jahre 1932 in direktem Kontakt mit Smirnow, Mratschkowski und Ter-Waganjan. Ich und Jewdokimow unterhielten den Kontakt zu Smirnow und Mratschkowski und ich und Kamenjew den zu Ter-Waganjan.
Ich m�chte betonen, dass es eine Zeit gab, als ich selbst bef�rchtete, dass dieser Kontakt zu I. N. Smirnow, Mratschkowski und anderen uns schaden k�nnte, wenn er aufgeflogen w�re. Aber nach meinen Gespr�chen mit Jewdokimow, der auf einen direkten Kontakt mit den Trotzkisten bestand, kam ich zu dem Ergebnis, dass es keine Risiko eines Scheitern gab, da all diese Leute erfahrene Verschw�rer waren und keine Schw�tzer, dass sie also niemanden verraten w�rden.
All dies ging der Schaffung eines Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums voraus, wobei Schatzkin und Lominadse auch hineingezogen wurden.
Frage: Wann wurde dieses Vereinigte Zentrum geschaffen und wer trat ihm bei?
Antwort: Das Vereinigte Zentrum wurde im Sommer 1932 geschaffen. Von trotzkistischer Seite stie�en nach einer Vereinbarung mit Smirnow und Mratschkowski diese beiden zum Zentrum sowie Ter-Waganjan und Safonow als Ersatzleute falls sie scheitern sollten. Von der sinowjewistischen Seite kamen ich und Kamenjew hinzu, mit Jewdokimow und Bakajew als Ersatz, falls wir ausfielen. Ich habe bereits ausgesagt, dass auch Schatzkin und Lominadse dem Zentrum beitraten.
Frage: Was ging der Schaffung des Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums voraus und auf welcher Grundlage wurde es eingerichtet?
Antwort: Ungef�hr zu Beginn des Jahres 1932 kamen meine Gef�hrten und ich zu dem Ergebnis, dass in der Sowjetunion eine Krise heraufzog, eine Zuspitzung der Widerspr�che und ein unvermeidlicher Kampf. Auf jeden Fall sch�tzten wir so bestimmte Komplikationen in der Landwirtschaft ein.
Dieser Umstand aktivierte nicht nur einige meiner Anh�nger, sondern auch die Trotzkisten, die Rechten, die Linken, die ehemaligen Teilnehmer an der Arbeiteropposition und einige Einzelpersonen.
Das f�hrte dazu, dass es zu regelm��igen Treffen und Verhandlungen zwischen den Vertretern verschiedener Str�mungen, die der Partei und dem Staat gegen�ber feindlich gesonnen waren, kam, um die Notwendigkeit eines gemeinsamen Kampfes gegen die Sowjetregierung zu diskutieren.
Gegen Ende des Sommers oder vielmehr zu Herbstbeginn 1932 wurde uns klar, dass unsere Erwartungen sich nicht erf�llen sollten, denn die einzelnen Probleme und Engp�sse in der Landwirtschaft, die wir aufgebauscht hatten, wurden von der Partei �berwunden. Es war eine Tatsache, dass die Generallinie der Partei die Oberhand gewonnen hatte.
Das v�llige Fehlen von Prinzipien und Ideen brachte uns dazu, zum nackten Terror im Kampf um die Macht �berzugehen.
Die Grundlage f�r die Schaffung des Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums war haupts�chlich die volle �berzeugung der Trotzkisten und Sinowjewisten, dass es jetzt m�glich sei, Stalin ausschlie�lich mit dem Mittel des Terrors zu bek�mpfen.
Innerhalb der Organisation war folgendes Sprichwort weit verbreitet: ‚Der Feind meines Feindes ist mein Freund‘!
Dies pr�gte unsere Kader, unsere organisatorischen M�glichkeiten und unsere Einstellung. Wir waren bereit, uns mit jedem Feinde Stalins zusammenzutun.
Frage: Wie stand es um die Frage des Terrors im Vereinigten Zentrum praktisch gesehen?
Antwort: Wie ich bereits aussagte: Jewdokimow f�hrte zusammen mit Smirnow 1932 die Verhandlungen zur Vereinigung unserer Organisation mit den Trotzkisten.
Als Jewdokimow mir von den Ergebnissen seiner Verhandlungen mit Smirnow berichtete, erw�hnte er auch, dass Smirnow, Mratschkowski und die mit ihnen verbundene Gruppe der Meinung waren, dass unter den gegenw�rtigen Umst�nden der Kampf zur gewaltt�tigen Beseitigung der F�hrung der VKP (b) und vor allem Stalins gef�hrt werden m�sse und dass Smirnow dazu von Trotzki einen direkten Auftrag besa�.
Damals berichtete mir Jewdokimow, dass Smirnow diese Direktive f�r den �bergang zum Terror bei seiner Auslandsreise zu wirtschaftlichen Angelegenheiten von Trotzki erhalten hatte.
Frage: Waren alle Mitglieder des Zentrums mit der Entscheidung zum Terror �berzugehen, als ein Mittel des Kampfes mit den F�hrern der VKP(b) und der Sowjetregierung einverstanden?
Antwort: Ja, alle Mitglieder des Zentrums, die ich genannt habe.
Frage: Was wurde konkret vom Vereinigten Zentrum unternommen, um die Pl�ne des Terrors auszuf�hren?
Antwort: Damals, 1932, fasste das Zentrum den Beschluss, terroristische Anschl�ge gegen Stalin, Molotow und Kirow in Leningrad zu organisieren.
Im Herbst 1932 gab ich auf meiner Datscha in Ilinskoje, bei Anwesenheit von Kamenjew, Bakajew, Jewdokimow und Karejew, Bakajew den Auftrag, einen Terroranschlag gegen Stalin zu ver�ben und Karjew erhielt die Order, einen gegen Kirow auszuf�hren.
Frage: Aber haben sich die Trotzkisten nicht auch an der praktischen Vorbereitung der Terrorakte beteiligt?
Antwort: Die Trotzkisten bereiteten parallel zu uns terroristische Anschl�ge vor. Aber Bakajew wurde instruiert, bei der Auswahl der Attent�ter auch Trotzkisten seiner Wahl heranzuziehen. Karjew war in Leningrad auch mit Trotzkisten verbunden, deren Namen ich nicht kenne.
Frage: Wer, au�er Bakajew und Karjew, war noch direkt am Terror beteiligt?
Antwort: Bakajew warb 1932 Reingold, Bogdan, Rabinowitsch und Pikel an, um einen Terroranschlag gegen Stalin vorzubereiten und auszuf�hren.
Frage: Wusste Gertik von den terroristischen Aktivit�ten der Organisation?
Antwort: Davon ist mir nichts bekannt.
Frage: Kann es sein, dass Sie nichts �ber das terroristische Wesen von Gertiks Kontakten zu Kotolnjow in Leningrad wussten?
Antwort: Nein, davon wusste ich nichts.
Frage: Wer leitete die terroristische Arbeit in Leningrad nach Karjews Verhaftung?
Antwort: Unabh�ngig von Karjew unterhielten Gertik und Kuklin Kontakte zu den Teilnehmern der Leningrader Organisation. Ich wei� aber nicht, was sie wirklich gemacht haben.
Frage: Sie geben zu, dass Gertik Tuchf�hlung mit den Teilnehmern der Leningrader Organisation hielt. Wir w�rden ganz gerne noch einmal auf die Frage
von Gertiks Verbindungen zu Kotolnjow zur�ckkommen. Wir wissen sicher, dass Gertik 193? (Jahr ist nicht lesbar – Grover Furr) aus Leningrad nach Moskau zur�ckkehrte und sich mit Kotolnjow �ber das terroristische Wesen seiner Verbindungen unterhielt. Davon m�ssen Sie doch gewusst haben!
Antwort: Ja, ich gebe zu, dass mir Jewdokimow 1934 – ich wei� nicht mehr in welchem Monat, aber irgendwann in der Jahresmitte – von einer der Reisen Gertiks nach Leningrad erz�hlte, bei der dieser mit Kotolnjow Kontakt aufnahm. Bei diesem Treffen hat Kotolnjow auch zu Gertik gesagt, dass er eine aktive Rolle bei der Vorbereitung des Mordes an Kirow spiele.
Frage: Wussten Sie davon, dass Kamenjew - Mitglied des Zentrums der terroristischen Organisation - 1934 Reisen nach Leningrad unternommen hatte?
Antwort: Ja, davon wusste ich.
Frage: Mit welchen Teilnehmern der Organisation unterhielt Kamenjew in Leningrad Kontakte?
Antwort: 1934 erz�hlte mir Kamenjew, dass er in Leningrad Moisei Jakowlew, ein Mitglied der Organisation, getroffen hatte, dem er die Beschl�sse des Vereinigten Trotzkistisch-Sinojewistischen Zentrums, den Mord an Kirow zu organisieren, best�tigte. Jakowlew war schon durch Karjew in die terroristischen Aktivit�ten, bevor dieser verhaftet wurde, hineingezogen worden.
Frage: Hat Jakowlew die Vorbereitungsarbeit f�r den Mord an dem Genossen Kirow zusammen mit der Rumjantzew-Kotolnjow-Gruppe oder allein ausgef�hrt?
Antwort: Jakowlew bereitete den Mord an Kirow parallel zu der Gruppe um Rumjantzew und Kotolnjow vor.
Frage: Wer neben Kamenjew und Gertik erledigte in Leningrad die terroristische Arbeit nach Anweisungen des Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums?
Antwort: Mir ist sonst niemand bekannt.
Frage: Was wissen Sie �ber die praktische Arbeit, die Bakajew in Moskau verrichtete, um den Mord an Stalin vorzubereiten?
Antwort: Schon bald nach dem Beschluss des Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums, den ich Bakajew �bergab, wurden ich und Kamenjew im Zusammenhang mit dem Fall Rjutin aus Moskau ausgewiesen. Dies brachte Bakajews praktische Arbeit zeitweilig zum Erliegen, weil, nachdem wir auf frischer Tat ertappt waren, die Organisierung eines Terroranschlages ganz offensichtlich unsinnig geworden war.
Im Fr�hjahr 1934 machte sich Bakajew erneut daran, den Terroranschlag auszuf�hren, wof�r ich und Kamenjew ihm den Befehl des Zentrums �ber Jewdokimow �berbringen lie�en.
Ich wusste von Jewdokimow (ich traf mich aus Gr�nden der Konspiration nicht mit Bakajew), dass Bakajew zusammen mit Reingold und Faiwilowitsch sowie mit dem Trotzkisten Dreitzer, der mit Mratschkowski in Verbindung stand, die Vorbereitung des terroristischen Anschlages zusammen mit diesem in die Wege leitete.
Jewdokimow berichtete mir, dass diese Kampfgruppe erfolgreich die Vorbereitungen auf den Terroranschlag vorantreiben w�rde.
Frage: Sie gestehen nicht alles, was Sie �ber die kriminellen Pl�ne und Absichten des Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums wissen.
Antwort: Ich habe gerade zugegeben, dass die Organisation, die nach 1932 von dem Vereinigten Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrum geleitet wurde, eine terroristische Organisation war, in der strenge konspirative Regeln herrschten.
Wir beschritten dann den Weg eines sehr sorgsam ausgekl�gelten und streng konspirativen Komplotts. Wir betrachteten uns selbst als Marxisten und erinnerten uns an die Devise: ‚Der Aufstand ist eine Kunst‘, nur dass wir sie in ‚die Verschw�rung gegen die Partei (wir sagten gegen Stalin) ist eine Kunst‘ umwandelten.
Das Vereinigte Trotzkistisch-Sinowjewistische Zentrum wurde nach 1932 in der Sowjetunion zu einem Ersatz f�r das, was vorher die Sozialrevolution�re, Menschewiki und die offenen Wei�gardisten gewesen waren. Jetzt erhoben wir das Banner des Terrors gegen Stalin.
Seit dieser Zeit ist das Vereinigte Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrum der Generalstab des russischen Faschismus in seiner trotzkistisch-sinowjewistischen Ausgabe geworden.
Frage: Die Untersuchung Ihres Falles hat ergeben, dass das Zentrum der Organisation den Plan f�r die Verschw�rung peinlich genau ausgearbeitet hat. Machen Sie Angaben zu dieser Frage!
Antwort: Das politische Ziel der Verschw�rung war der Sturz des ZK der VKP(b) und der sowjetischen Regierung sowie die Schaffung unseres eigenen ZK und unserer eigenen Regierung, die sich aus Trotzkisten, Sinowjewisten und Rechten zusammensetzen sollte. Wir planten einen Putsch gegen die Regierung.
Konkret gesagt bestand der Plan f�r den Putsch in Folgendem:
Wir gingen davon aus, dass die Ermordung Stalins (aber auch der anderen F�hrer von Partei und Regierung) in den Reihen der F�hrung der VKP(b) gro�e Verwirrung hervorrufen w�rde.
Wir nahmen an, dass nach einem solchen Ereignis Kamenjew, Sinowjew, I. N. Smirnow, Rykow, Sokolnikow, Tomski, Jewdokimow, Smilga, Mratschkowski und andere in gehobene Regierungsfunktionen zur�ckkehren w�rden.
Wir betrachteten Kamenjew, Rykow, Sokolnikow, Smilga und Pjatakow als die besten �konomen des Landes.
Sie sollten einen �konomischen Generalstab bilden. Wir wollten Sokolnikow zum Volkskommissar f�r Finanzen machen.
Als Sekret�re des ZK hatten wir uns I. N. Smirnow, Serebriakow und Jewdokimow vorgestellt. Tomski sollte die Gewerkschaften leiten. Trotzki, Kamenjew und ich sollten diesem Plan zufolge die gesamte F�hrung von Partei und Staat in unseren H�nden konzentrieren.
Ich muss hinzuf�gen, dass ein Plan zur Spurenverwischung des Verbrechens im Vereinigten Zentrum in Arbeit war. Die gewaltsame Entfernung der F�hrer von Partei und Regierung musste sorgf�ltig als Akt der Wei�gardisten oder als pers�nliche Racheakte getarnt werden.
Frage: Aber war das schon alles, was diesen Plan anging?
Antwort: Zu der allerersten Aufgabe des Plans sollte die Erm�glichung der triumphalsten R�ckkehr Trotzkis in die UdSSR geh�ren.
Es w�re nat�rlich unaufrichtig, wenn ich jetzt versuchen w�rde, alle Schuld f�r meine Verbrechen auf Trotzki zu schieben. Aber es w�re genauso unaufrichtig, wenn ich nicht zugeben w�rde, dass der pers�nliche Anteil Trotzkis an all diesen Verbrechen des Trotzkistisch-Sinojewistischen Zentrums sogar noch gr��er war als mein eigener, dass die Anweisungen von Trotzki, die aus dem Ausland kamen, eine entscheidende Bedeutung f�r das Vereinigte Trotzkistisch-Sinowjewistische Zentrum besa�en und dass der Anf�hrer der Anf�hrer bei all unseren Untaten und bei der Verschw�rung Trotzki war.
Im Sommer 1932, als der Plan f�r den Putsch fertig war, der uns direkt zu Volksfeinden machte, erhielt die Direktive Trotzkis �ber die Notwendigkeit der Ermordung Stalins, die uns von I. N. Smirnow �berbracht wurde, eine zweifellos entscheidende Bedeutung f�r das Vereinigte Trotzkistisch-Sinowjewistische Zentrum.
Frage: Ihren Aussagen nach zu urteilen rechneten Sie auf die Unterst�tzung der Rechten bei Ihren Pl�nen. Worin bestand das Wesen Ihrer Verbindung zu ihnen?
Antwort: Das allgemeine Wiederaufleben des konterrevolution�ren Untergrunds, welches 1932 einsetzte, zeigte sich in den Anstrengungen, alle der Sowjetregierung feindlich gesonnenen Kr�fte mit der Gruppe der sog. Sinowjewisten zu verbinden.
Das lie� sich ganz einfach erkl�ren: Trotzki im Ausland und die Feinde der Partei sahen mich und Kamenjew als Personen an, die einmal ein gewisses politisches Gewicht besa�en. Andere Gruppen besa�en keine solchen anerkannten F�hrer, was bedeutete, dass man sich an uns orientierte.
F�r mich und meine Anh�nger bestand das Hauptkriterium bei der Frage
der Auswahl von Mitarbeitern in Folgendem: Sind diese oder jene Leute Anh�nger oder Gegner Stalins oder vielmehr: In welchem Ma�e sind diese oder jene verschworene Gegner Stalins, sind sie k�hn und energisch genug bei ihren Aktionen und bereit, wirklich gegen Stalin bis zum Ende zu k�mpfen? Das war f�r uns das Wichtigste. Auf dieser Grundlage schlossen wir ein De-facto-B�ndnis mit den Rechten. Ich werde hier nicht die bekannte Frage
diskutieren, wie Kamenjew den Kontakt zu Bucharin herstellte. Ich m�chte nur sagen, dass der gl�hendste, ja enthusiastische Anh�nger einer direkten Verschmelzung mit den Rechten Sokolnikow war, der zu unserer Organisation geh�rte. Die illegalen organisatorischen Bande zwischen unserer Gruppe und den Rechten existierten seit 1932 und dauerten bis zum heutigen Tage an.
Ich hatte den engsten Kontakt zu Tomski. Ich traf ihn 1932 mehrere Male. Karjew unterhielt den Kontakt zu Bucharin, weil er �ber die besten M�glichkeiten hierzu infolge seiner akademischen Zusammenarbeit mit ihm besa�. Scharow hielt den Kontakt zu Uglanow. Kamenjew hatte Kontakt zu Rykow. Er erz�hlte mir, dass Rykow unsere Einsch�tzung der Lage im Land teilte. Was die Haltung der Rechten im Jahre 1932 und danach anging, so war sie besonders durch ihre Unnachgiebigkeit gekennzeichnet, durch ihre Behauptung, dass die Generallinie der Partei am Ende sei, durch ihre entschieden feindselige Haltung Stalin gegen�ber sowie durch ihre Ablehnung der sog. Kapitulations-Erkl�rung. Ihrer Ansicht nach sei der weitere Kampf unvermeidlich.
In diesem Zusammenhang sind zwei Tatsachen zu beachten:
1. Im Verlaufe des ber�hmten Gespr�chs zwischen Bucharin und Kamenjew erz�hlte ihm Bucharin von einer Episode �ber ein Treffen zwischen Tomski und Stalin, als Tomski angeblich zu Stalin gesagt haben soll: Wenn die Dinge sich so weiter entwickeln, werden unsere Arbeiter bald auf sie schie�en! 2.
In dem Flugblatt, das die Trotzkisten �ber das Gespr�ch zwischen Kamenjew und Bucharin herausbrachten, wurde dieser Satz weggelassen – aus Gr�nden, die mir nicht klar sind. Aber wir und die Rechten betrachteten solche Bemerkungen, die Bucharin Tomski zuschrieb, als v�llig normal.
3. Nicht lange vor einer der Vollversammlungen des ZK - ich meine, es war die vom Herbst 1931 – unterhielt sich Tomski mit mir in Sotschi �ber Bucharin und teilte mir mit, dass Bucharin, obwohl er in einigen Dingen schwankte, was sein Verh�ltnis zur Partei anging, gleichzeitig Material gegen Stalin sammelte und dass er, nach seinen eigenen Worten, schon eine ganze Akte gegen Stalin besa�. 4.
Frage: In Ihren Aussagen haben Sie Sokolnikow als Mitglied Ihrer Organisation genannt. Was wissen Sie �ber seine konterrevolution�ren Aktivit�ten?
Antwort: Sokolnikows Position ist etwas eigenartig. Er stand Reingold sehr nahe – auch ein Mitglied der Organisation. Und Reingolds Hauptaufgabe bestand zeitweilig darin, dass er unser Kontaktmann zu Sokolnikow war. Au�erdem besa� Kamenjew direkten Kontakt zu Sokolnikow.
Frage: Aus Ihrer Aussage wird nicht klar, in welcher besonderen Lage sich Sokolnikow befand.
Antwort: Seine besondere Lage bestand in Folgendem: W�hrend er de facto ein Feind der Partei war und bis heute zwei Gesichter hat, obwohl er direkt zu unserer Gruppe geh�rte, blieb er dennoch nach au�en hin als Kandidat des ZK der VKP(b) in einer irgendwie isolierten Position.
Es gab Zeiten, als er mit mir und Kamenjew zusammen zur engeren F�hrung der Sinowjew-Gruppe geh�rte, die wir als ‚Kern des Kerns‘ bezeichneten. Sp�ter trat er dem Vereinigten Zentrum bei.
Die Differenzen, die er besonders mit mir hatte, besonders nach seinem angeblichen R�ckzug zwischen dem 14. und 15. Parteitag, blieben eine Episode. Diese Angelegenheit spielte bei unseren sp�teren Kontakten, die sich bis zu unserer Verhaftung in Verbindung mit dem Mord an Kirow fortsetzten, keine Rolle mehr.
Frage: Worin bestanden konkret Ihre Kontakte zur Schatzkin-Lominadse-Gruppe?
Antwort: Ich und Kamenjew waren der Ansicht, dass Schatzkin, Lominadse und Stern zu den wertvollsten Leuten der j�ngeren Generation geh�rten, die sich nicht mit dem bestehenden Regime innerhalb der VKP(b) abfinden konnten und was unserer Meinung nach tiefere Prozesse innerhalb der Partei widerspiegelte. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Bericht �ber sein Treffen mit Schatzkin und Lominadse, den mir Kamenjew im Sommer 1932 �bergab. Damals teilte er mir w�rtlich mit: ‚Jetzt sind diese Leute wirkliche Feinde Stalins‘.
Ich selbst habe mich h�ufiger mit Sten getroffen. Ich sah Lominadse nur etwa zweimal. Sowohl Schatzkin als auch Lominadse �u�erten mehr als nur einmal, dass Sten voll und ganz ihre Ansichten vertrete.
Jewdokimow traf sich mehrere Male mit Schatzkin in Moskau. Auch Kamenjew traf sich mit ihm und Lominadse w�hrend eines Urlaubs in Gagry unter konspirativen Bedingungen im gleichen Jahr 1933.
Ein herausragendes Merkmal dieser Gruppe bestand darin, dass sie unter unseren Verb�ndeten diejenige war, die Trotzki am meisten verteidigte. W�hrend ich und Kamenjew, die wir erfahrene Politiker waren, uns bei Gespr�chen mit anderen nicht erlaubten, Trotzki offen zu verteidigen, diese jungen Leute, also Schatzkin, Lominadse, Sten u. a., mit uns nicht nur nicht �bereinstimmten, sondern uns sogar tadelten, weil wir �ber die gro�en Verdienste dieses echten K�mpfers und Revolution�rs schwiegen, der selbst ganz allein auf sich gestellt, seine Positionen nicht aufgab und ganz offen den Kampf gegen Stalin f�hrte. Mehr noch: Die Linken sagten es ganz direkt, dass Trotzkis Positionen sich als richtig erwiesen h�tten und dass es deshalb nichts zu bef�rchten g�be, wenn man es offen aussprechen w�rde.
Frage: Mit welchen anderen Konterrevolution�ren hielten Sie Kontakt?
Antwort: Die konterrevolution�re Gruppe, die ernsthaft versuchte, mit uns Kontakt aufzunehmen, war die Gruppe der ehemaligen Mitglieder der Arbeiteropposition.
Unsere alte Freundschaft zu ihnen leistete den gr��ten Beitrag zur Vereinigung, besonders mein Kontakt zu Schljapnikow sowie unsere bekannten engen Beziehungen zu Medwedjew. Sie waren beide erbitterte Feinde Stalins und nahmen extrem terroristische Positionen ein.
Ich betrachte die Gruppe Schljapnikow-Medwedjew als die feindlichste und reaktion�rste von allen. Ich erinnere mich an Gespr�che aus dem gleichen Jahr 1932, als sie mir gegen�ber den folgenden Gedanken entwickelten:
‚Ihr (sie meinten damit mich und Kamenjew) seid sp�t dran, die Dinge so wahrzunehmen wie sie wirklich sind: Tats�chlich begann dies (gemeint die Verfolgung der besten Teile der Partei) bereits unter Lenin und hat sich unter Stalin nur hundertfach verschlimmert‘.
Mit anderen Worten: Schljapnikow und Medwedjew fingen an, nicht nur Stalin, sondern auch Lenin auf monstr�se Weise niederzumachen und klagten ihn an, gegen den besten Teil der kommunistischen Bewegung Repressalien ergriffen zu haben.
Frage: Was kam bei den Verhandlungen mit Schljapnikow und Medwedjew heraus?
Antwort: W�hrend unseres langj�hrigen Kampfes gegen die leninistischen Prinzipien der Partei, die von Stalin gef�hrt wurde, hatten wir, besonders ich, einen formalen Block mit den reaktion�rsten und feindlichsten Elementen des Landes f�r ausgeschlossen gehalten. Ihre offen terroristischen Positionen, die sie zu einer Zeit entwickelten, als wir noch nicht �ber den Terror nachdachten, hat uns in gewisser Weise damals noch zur�ckgehalten, und ich muss zugeben, dass die dann einsetzende Entwicklung des Kampfes uns auf die Positionen von Schljapnikow und Medwedjew gef�hrt hat.
Frage: Das hei�t also, dass sie versichern, dass es kein echtes B�ndnis mit der Schljapnikow-Medwedjew-Gruppe gab?
Antwort: Ja, das versichere ich. Aber ich sage nur, dass wir auf sie nicht als m�gliche Verb�ndete z�hlten.
Frage: Sie haben noch nicht alle Teilnehmer der trotzkistisch-sinowjewistischen Organisation in der Sowjetunion genannt. Sie m�ssen alle Ihnen bekannten Trotzkisten und Sinowjewisten nennen, die bisher noch nicht gescheitert sind und die ihre konterrevolution�re T�tigkeit weiter fortsetzen.
Antwort: Nicht lange vor Trotzkis Ausweisung aus Moskau informierte er mich w�hrend einer unserer Versammlungen, dass zu seinen Vertrauten und verdeckt arbeitenden Leuten besonders Witker geh�re. Witker hat neulich noch als Chef von Glawrezin gearbeitet. Als er mir sagte, dass Witker mir geheimes Material der Trotzkistisch-Sinowjewistischen Organisation bringen w�rde, bat er mich, Witkers Beteiligung an dieser Sache sogar den Mitgliedern des Zentrums vorzuenthalten.
Zur gleichen Zeit teilte mir Trotzki auch mit, dass Nemtschenko, der damals eine leitende Rolle bei Glawsotsstrach spielte, all seinen Anh�ngern unbekannt sei.
Ich sehe es auch als meine Pflicht an, dar�ber auszusagen, was ich �ber L. P. Serebriakow wei�.
Sowohl Kamenjew als auch ich waren in der Annahme, dass Serebriakow nicht mit Trotzki gebrochen hatte. Seinen R�ckzug von der Bildoberfl�che hinein in die Kategorie der Unpolitischen betrachteten wir als eine geschickte Tarnung.
Wir wussten beide, dass Serebriakow Trotzki pers�nlich noch n�her stand als ein I. N. Smirnow.
Ich m�chte noch einen weiteren pers�nlichen Eindruck �ber Serebriakow hinzuf�gen: Im Sommer 1932 kamen Serebriakow und Zorin sp�t abends auf Kamenjews Datscha in Iljinskoje, wo sich einige Literaturarbeiter zum Abendessen eingefunden hatten.
Serebriakow erwies mir und Kamenjew jede erdenkliche Aufmerksamkeit und dr�ckte sein Bedauern dar�ber aus, dass ich nicht �ffentlich reden durfte usw.
Kamenjew berichtete mir von diesen Treffen und lie� mich wissen, dass Pjatakow nicht gerne �ber politische Dinge sprach, dass er aber genauso dachte wie wir auch.
Wir z�hlten auch auf Radek als einen bedingungslosen Parteig�nger von uns. Ich und Kamenjew haben Radeks Reueerkl�rungen nie ernst genommen.
Wir sahen uns in dieser Einsch�tzung dadurch best�tigt, dass Radek 1932 konterrevolution�re Verleumdungen gegen Stalin machte.
Ich muss an dieser Stelle innehalten, um noch etwas �ber zwei weitere Doppelz�ngler zu sagen: die Trotzkisten Putna und Romm.
Ende 1928 dr�ckte mir gegen�ber Putna seine Zustimmung bez�glich meines Doppelspiels aus, das ich innerhalb der Partei spielte.
W. Romm sagte mir gegen�ber �hnliches. Beide waren mit mir �ber Bogdan verbunden.
Frage: Wir wissen, dass Sie bis 1934 und auch noch sp�ter illegale Kontakte hatten mit Leuten, die mit Ihnen �bereinstimmten und die mit Ihnen im Apparat der Komintern arbeiteten. K�nnen Sie das best�tigen?
Antwort: Ja, das kann ich best�tigen. Ich habe tats�chlich mit einer ganzen Reihe von Sinowjewisten im Apparat der Komintern noch bis Ende 1934 Kontakte gehabt. Genauer gesagt hatte ich eine Gruppe meiner Leute in der Komintern. Dazu geh�rten Madjar, Bulowitsch, Wudsinskaja, Gertsberg und Smesch – ein Pseudonym – ich kenne seinen richtigen Namen nicht.
All diese Leute standen auf konterrevolution�ren Positionen, standen der F�hrung der VKP(b) und der Komintern feindlich gegen�ber und informierten mich regelm��ig �ber die Lage im EKKI (Exekutivkomitee der Komintern, die ‚Regierung‘ der KI – �bers.), �ber ihre einzelnen Sektionen sowie �ber Meinungsverschiedenheiten unter den F�hrern des EKKI.
Diese Informationen waren gegen die Partei gerichtet, waren antisowjetisch, und in ihnen kam Unzufriedenheit mit der F�hrung des EKKI zum Ausdruck.
Der wertvollste Kontakt in dieser Gruppe war Madjar f�r mich, der wegen seiner Position und seiner Verbindungen �ber gro�e M�glichkeiten f�r regelm��ige Informationen an das Trotzkistisch-Sinowjewistische Zentrum verf�gte, was die Lage in der Komintern anging.
Madjar besa� eine durch und durch konterrevolution�re Einstellung und arbeitete aktiv daran, die F�hrung des EKKI bei seinen Verbindungsleuten in der Komintern herunterzumachen.
Frage: Das ist aber noch nicht alles. �ber Ihre Kontakte im EKKI unterhielten Sie auch Verbindungen zu Personen im Ausland.
Antwort: Mir ist bekannt, dass Gertsberg und Smesch – der erste bis 1932 und der zweite sp�ter noch – Kontakte zur Gruppe um Fischer-Maslow hatten und mich �ber die Lage in dieser Gruppe informierten. Bulowitsch hatte Verbindung zur Gruppe um Heinz Neiman (Heinz Neumann – GF) sowie zu Dorrio (Jacques Doriot – GF). Madjar hatte Kontakte zu deutschen Trotzkisten. Ich erinnere mich, dass mir Madjar 1932 �ber die Anwesenheit von Anh�ngern von mir in der Berliner Komintern-Organisation erz�hlte, auf die ich bei meinem Kampf mit der Komintern rechnen k�nne.
Die Aufzeichnungen entsprechen exakt meinen Worten; pers�nlich durchgesehen:
G. SINOWJEW
3. Die Vernehmung von Kamenjew am 10. August 1936 4.
Frage: Haben Sie sich Ende 1931 und Anfang 1932 mit Sokolnikow getroffen?
Antwort: Ja, ich habe mich mit ihm getroffen.
Frage: Was waren das f�r Treffen?
Antwort: Ich habe Sokolnikow sogar mehrere Male vor der Gr�ndung des Blocks mit den Trotzkisten getroffen. Unsere Gespr�che bewegten sich um die allgemeine Lage im Lande, um die Politik der Partei und der Parteif�hrung.
Wir waren uns v�llig einig in unserer Einsch�tzung der Lage im Lande und auch was die Politik der F�hrung anging.
Sokolnikow bewertete die gesamte Wirtschaftspolitik der Partei sehr negativ. Sie habe das Land an den Rand der Katastrophe gef�hrt und mit jedem Tag w�rde diese Katastrophe unvermeidlicher werden, w�rde sich versch�rfen und zuspitzen. Er meinte, dass die Parteif�hrung auf �konomischem Gebiet v�llig blind sei und nur noch mit den Methoden groben Zwanges in der Lage sei zu regieren.
Das Ergebnis dieser zwangsweise Auferlegung einer bestimmten �konomischen Struktur �ber das Land, so sagte er voraus, sei der spontane Widerstand der Bauernschaft, der das Land v�llig zerst�ren und verarmen lassen w�rde, so wie dies vor der N�P der Fall gewesen sei.
Auf meine Frage, wie er sich den Ablauf der k�nftigen Ereignisse vorstelle, Antwortete er, dass eine Fortsetzung dieser katastrophalen Politik das Land wirtschaftlich v�llig ersch�pfen w�rde, und danach m�sse man wieder von vorne beginnen.
Er wies immer darauf hin, dass unter solchen Verh�ltnisse eine Neuauflage von Lenins N�P nicht mehr ausreiche und dass man sehr viel weiter gehen m�sse als damals, 1921, dass man den privaten Kapitalisten und der individuellen landwirtschaftlichen Produktion Zugest�ndnisse machen m�sse. Er, Sokolnikow, hatte keinerlei Hoffnung, dass sich die Partei besinnen, das katastrophale Wesen ihrer Linie begreifen und ihre Politik abschw�chen w�rde.
Mit herablassender Ungl�ubigkeit sch�tzte er die F�higkeit der Partei ein zu man�vrieren. Er meinte, dass Stalin, der alle Macht in seinen H�nden konzentriert habe, niemand zuh�ren wolle und auch gar nicht dazu in der Lage sei und das Land nach und nach in den Ruin st�rzen werde.
Frage: Bezeichneten Sie bei Ihren Gespr�chen mit den Trotzkisten Sokolnikow als f�hrendes Mitglied der konterrevolution�ren sinowjewistischen Organisation?
Antwort: Ja, der Name Sokolnikow wurde bei unseren Gespr�chen mit den Trotzkisten als jemand erw�hnt, der voll und ganz unsere Ansichten teilte.
Frage: Wusste Sokolnikow, dass 1932 zwischen den Trotzkisten und Sinowjewisten ein Block gebildet worden war?
Antwort: Ja - Sokolnikow wusste sowohl von mir als auch von Reingold, der ihm nahestand, dass ein Block zwischen den Trotzkisten und Sinowjewisten existierte.
Frage: Was wusste er genau �ber diesen Block?
Antwort: Ihm war bekannt, dass dieser Block auf einer terroristischen Grundlage arbeitete und dass seine praktische Aufgabe in der Organisierung von Mordanschl�gen gegen Stalin und Kirow bestand.
Frage: Hat Sokolnikow an Treffen des Zentrums des Blocks teilgenommen?
Antwort: Ja, ich erinnere mich, dass er an zwei oder drei geschlossenen Versammlungen der F�hrung des Blocks teilnahm.
Frage: An welchen Treffen genau und in Anwesenheit von wem?
Antwort: An dem Herbsttreffen 1932, als die Frage der Gr�ndung der Gruppe entschieden wurde, die die Terroranschl�ge leiten sollte. Die Gruppe bestand aus Bakajew, Reingold, Dreitzer, Bogdan und noch ein oder zwei weiteren Personen, an deren Nachnamen ich mich jetzt nicht erinnern kann.
Bei diesem Treffen waren anwesend: Sinowjew, Bakajew, Jewdokimow, Reingold, Bogdan, Sokolnikow und Smirnow - soweit ich mich erinnern kann.
Das zweite Treffen, an das ich mich erinnere, bei dem Sokolnikow anwesend war, war das im November-Dezember 1933 vor dem 17. Parteitag.
Drei von uns nahmen daran teil: Ich, Sinowjew und Sokolnikow. Wir diskutierten, ob wir auf dem 17. Parteitag sprechen sollten, wenn dies m�glich gewesen w�re und falls ja, was wir sagen w�rden.
Frage: Wof�r haben Sie sich entschieden?
Antwort: Erstens, dass es w�nschenswert w�re, dass wir sprechen w�rden; zweitens, dass das, was wir sagen w�rden, durch das Eingest�ndnis gepr�gt sein sollte, dass die Generallinie der Partei v�llig richtig sei.
Frage: Sie waren Doppelz�ngler?
Antwort: Ja.
Frage: Das hei�t also, dass Sokolnikow nicht nur von Ihnen wusste, dass terroristische Anschl�ge gegen Stalin und Kirow vom Trotzkistisch-Sinowjewistischen Block vorbereitet wurden, sondern dass er pers�nlich an dem Beschluss, die f�hrende terroristische Gruppe daf�r zu schaffen, beteiligt war?
Antwort: Ja, das kann ich best�tigen.
Frage: Also war Sokolnikow Mitglied der f�hrenden Gruppe des Trotzkistisch-Sinowjewistischen Blocks?
Antwort: Ja. Aber an dieser Stelle muss ich sagen, dass Sokolnikow, der Kandidat des Zentralkomitees war, uns auch st�ndig mit Material �ber das interne Leben des ZK versorgte, in dessen Besitz er war und dass wir, Sinowjew und ich, es als unzweckm��ig ansahen, ihn in die praktische Arbeit des Blocks hineinzuziehen und ihn nur heranzogen, wenn es darum ging, allgemeinpolitische Frage n zu diskutieren.
Frage: Also wenn man von Ihrer Antwort ausgeht, dann war es so, dass die Teilnehmer des Blocks die Terroranschl�ge gegen Stalin und Kirow vorbereiteten, dass aber Sokolnikows Rolle darin bestand, Sie �ber interne Vorg�nge des ZK zu informieren, da er Kandidat des ZK war. Sie sahen es also als nicht zweckm��ig an, ihn zu sehr in die praktische Arbeit einzubeziehen. Sie wollten ihn offenbar f�r andere Zwecke verwenden.
Dann versuchen Sie uns zu sagen, welches seine wirkliche konterrevolution�re Rolle im Trotzkistisch-Sinowjewistischen Block war. Die Untersuchungsmaterialien geben Aufschluss dar�ber, dass Sokolnikows T�tigkeit auf keinen Fall darauf beschr�nkt war.
Antwort: Ich habe vorher nicht alles �ber die tats�chliche Beteiligung Sokolnikows an den Aktivit�ten des Blocks ausgesagt.
Ende 1933 und Anfang 1934 unterhielten Sinowjew und ich uns bei mir �ber die Ausbildung von Leuten, genauer �ber die des f�hrenden Kerns, der im Fall des Scheiterns unserer Organisation und unseres eigenen Scheiterns dann in der Lage sein sollte, den Kampf mit der Partei weiter fortzuf�hren. F�r diesen Fall wollten wir Sokolnikow als ein prominentes und gleichzeitig aktives Mitglied der Organisation sch�tzen.
Frage: Ihre Antwort ist unvollst�ndig. Worauf haben Sie und Sinowjew sich f�r den Fall eines m�glichen Scheiterns Ihrer Organisation geeinigt?
Antwort: Bei unseren Gespr�chen gewannen wir die �berzeugung, dass es notwendig sei, eine f�hrende Gruppe im Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrum zu bilden, die aktiv werden konnte, falls wir scheitern sollten. Zu diesem Zweck f�hrte ich Gespr�che mit Sokolnikow und erhielt von ihm sein volles Einverst�ndnis.
Frage: Wussten die Trotzkisten davon, dass Sie beschlossen hatten, einen parallelen F�hrungskern innerhalb der terroristischen Organisation zu bilden?
Antwort: Ja. Ich selbst f�hrte die Verhandlungen dar�ber mit Ter-Waganjan. Er informierte mich dar�ber, dass sie voll und ganz auf die Beteiligung von Serebriakow und Radek in dieser f�hrenden Gruppe z�hlten. Er sagte, dass die Trotzkisten eine streng geheime Gruppe besa�en, von der die Partei nichts ahnte, zu der Serebriakow und Radek geh�rten.
Wir hatten an Serebriakows pers�nlicher N�he und Hingabe an Trotzki keinen Zweifel, und es war uns klar, dass sein beharrlich unpolitisches Auftreten nur eine Tarnung war. Wir wussten auch, dass Serebriakow ein sehr vorsichtiger Verschw�rer mit k�hlem Kopf war, der viele Kontakte besa� und der sehr angesehen unter den Trotzkisten war.
Wir glaubten auch nicht daran, dass Radeks politische Positionen und Artikel ehrlich waren und wussten, dass er in Wirklichkeit mit seiner Position in der Partei unzufrieden war. Seine Rolle bestand darin, in der Parteif�hrung einen Wandel herbeizuf�hren, der ihm gestatten w�rde, eine f�hrende Rolle in der Komintern zu spielen.
In seinen Gespr�chen mit mir meinte Ter-Waganjan, dass er nicht nur in seinem eigenen Namen, sondern im Namen des F�hrungszentrums der trotzkistischen Organisation, im Namen von Smirnow und Mratschkowski sprechen w�rde. Nach diesen Gespr�chen mit den Trotzkisten schufen wir ein terroristisches Zentrum, bestehend aus Sokolnikow, Serebriakow und Radek, f�r den Fall, dass wir scheitern sollten.
Frage: Haben Sie alle Mitglieder des Zentrums, die Sie ersetzen sollten, genannt?
Antwort: Ich kann noch Folgendes hinzuf�gen: 1934 sagte Sinowjew zu mir, dass er im Falle eines Scheiterns eine Reihe von Kontakten aus dem Untergrund, die der Organisation von Saks-Gladnew angeh�rten, her�berholen w�rde.
Frage: Haben Sie Serebriakow selbst getroffen?
Antwort: Unsere letzte Begegnung fand 1932 statt. Wir trafen uns bei mir in Ilenskoje. Er brachte seine Sympathien mit mir und Sinowjew zum Ausdruck. Er hatte eine sehr negative Einstellung zur Politik der Partei und ihrer F�hrung und, wie er dies vorher auch schon getan hatte, zeigte er, dass er Trotzki gegen�ber sehr zugetan war.
Frage: Haben Sie ihn seitdem irgendwo wiedergetroffen?
Antwort: Nein, seit der Zeit habe ich ihn nie wiedergetroffen.
Frage: Hat sich irgendjemand aus dem Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrum mit Serebriakow wiedergetroffen?
Antwort: Ich erinnere mich, dass uns Bakajew sp�ter �ber Serebriakows Haltung berichtete, aber ob er sich mit ihm pers�nlich getroffen oder ob er die Informationen von anderer Seite erhalten hatte, wei� ich nicht.
Die Informationen von Bakajew stimmten voll mit dem Eindruck �berein, den ich bei meiner letzten Begegnung, von der ich sprach, erhalten hatte. Meinen Gespr�chen mit Ter-Waganjan aus dem Jahre 1934 konnte ich entnehmen, dass sie engen Kontakt zu Serebriakow unterhielten und dass sie ihn f�r die f�hrende terroristische Gruppe nominiert hatten.
Frage: Haben Sie sich in dieser Zeit mit Radek getroffen?
Antwort: Ja, ich traf ihn mehrere Male.
Frage: Was waren das f�r Treffen?
Antwort: Diese Treffen hatten wir mehrere Male in den Redaktionsr�umen der ‚Iswestija‘ und einmal auch in den Alexandrowski G�rten. Wir f�hrten aber keine politischen Diskussionen.
Frage: Wussten Sie vor diesen Treffs irgendetwas �ber Radeks Verbindungen zu trotzkistischen Organisationen?
Antwort: In der Zeit davor traf ich Radek mehrere Male. Er deutete an, dass die trotzkistische Organisation weiter existiere und dass er den Kontakt nicht abgebrochen habe. Besonders wies er darauf hin, dass treue Trotzki-Anh�nger in der Armee geblieben seien. Als Beispiel nannte er Schmidt, den er als tapferen Mann beschrieb, der Trotzki bedingungslos ergeben sei. Im gleichen Atemzug nannte er auch Sachnowski, und ich glaube mich erinnern zu k�nnen, dass er auch Serebriakow erw�hnte.
Zu der Zeit erkl�rte Radek mir die Gr�nde, weshalb er sich von der Opposition zur�ckgezogen hatte, weil die Taktik des direkten Angriffs ganz offensichtlich unter den ver�nderten Bedingungen nicht mehr angebracht gewesen und dass die Taktik der Unterwanderung der Partei und die der Gewinnung des Vertrauens der F�hrung sehr viel erfolgversprechender sei.
Er wies darauf hin, dass noch nicht alle jungen Trotzkisten dies verstehen w�rden und deshalb h�tten sie ihn angegriffen.
Frage: Wann fanden diese Gespr�che statt?
Antwort: Ende 1932 und davor, also auf jeden Fall vor meiner Abreise nach Minussinsk.
Frage: Wer von den Mitgliedern des Trotzkistisch-Sinowjewistischen Zentrums hatte noch Gespr�che mit Radek?
Antwort: Ich wusste von Gespr�chen zwischen Sinowjew und Radek.
Frage: Wann fanden diese Treffs statt und was genau hat Sinowjew Ihnen davon erz�hlt?
Antwort: Diese Treffs fanden 1934 statt, als Sinowjew f�r den ‚Bolschewik‘ arbeitete. Sinowjew erz�hlte mir, dass er eine ganze Reihe von Treffen mit Radek hatte, bei denen er ganz klar zu verstehen gab, dass er ein Feind der Partei und der F�hrung der Partei war, der seine wahren Ansichten unter dem Mantel der Doppelgesichtigkeit verbarg.
Frage: Welche Geldquellen hatte Ihre Organisation f�r die Verwirklichung ihrer praktischen Aktivit�ten zur Verf�gung?
Antwort: Ich kann Ihnen hierzu zwei Fakten nennen. Der erste geht auf das Jahr 1929 zur�ck. Als Ainowjew und ich die M�glichkeit in Erw�gung zogen, dass wir eines Tages ausgewiesen werden k�nnten, beschlossen wir, im Ausland einen Geldfonds anzulegen. Als mir uns dar�ber mit Sinowjew geeinigt hatten, beauftragte ich Reingold damit, die praktischen Schritte einzuleiten, um ihn einzurichten.
Die zweite Tatsache geht zur�ck auf Mitte 1933. Bei einem der Treffen unseres Zentrums warf Bakajew die Frage
auf, dass es notwendig sei, Geldmittel zu beschaffen, um die Ausgaben f�r die Vorbereitung von Terroranschl�gen zu verschleiern. Reingold, der dabei war, sagte sofort, dass man diese Mittel �ber Arkus beschaffen k�nnte. Sp�ter erfuhr ich entweder von Sinowjew oder von Reingold, dass Arkus diese Mittel tats�chlich beschafft hatte. Ich wei� aber nicht, welche Summe es war.
Frage: Wurde dieser Auslandsfonds von Reingold eingerichtet?
Antwort: Ja, Reingold hat ihn eingerichtet.
Frage: Woher wissen Sie das?
Antwort: Ich wei� nicht genau, wer es mir gesagt hat. Ich glaube es war Reingold.
Frage: Wie viel Geld war da drin und wof�r wurde es verwendet?
Antwort: Au�er mir und Sinowjew wussten Reingold und Arkus als direkte Organisatoren davon. Ihnen war die Einrichtung dieses sinowjewistischen Auslandsfonds bekannt und auch Tumanow, soweit ich wei�, weil er jemand war, der engen Kontakt zu Reingold und Arkus hatte, die sich damals im Ausland aufhielten.
Frage: Zu welchem Zweck wurde dieser Auslandsfonds angelegt?
Antwort: Ich habe schon gesagt, dass der Fonds 1929 eingerichtet wurde f�r den Fall, dass wir, Sinowjew und ich, ausgewiesen werden w�rden, und er war deshalb f�r unsere privaten Zwecke geschaffen worden.
Frage: Wo kam das Geld her?
Antwort: Das wei� ich nicht.
Das Protokoll entspricht exakt meinen Worten und wurde von mir durchgelesen:
LEW KAMENJEW
VERNEHMER:
Der Vorsitzende der Wirtschaftsabteilung des NKWD der UdSSR und Kommissar f�r Staatssicherheit Zweiten Ranges: MIRONOW;
Der Vorsitzende der Zweiten Abteilung der Wirtschaftsabteilung des NKWD der UdSSR, Oberleutnant f�r Staatssicherheit: JARTZEW